Unvorhersehbare Winter

Die Diskussion über den Klimawandel ist international weiterhin umstritten. Die Wintersaison 2013/14 war in Nordamerika und Europa ziemlich verrückt. Einige Regionen waren warm und trocken, während andere Gebiete von Unwettern überflutet wurden. Aus Sicht eines Außenstehenden ist es unbestritten, dass gleichbleibende und vorhersagbare Winter der Vergangenheit angehören.

“Mutter Natur hat in den letzten Jahren ein unglaubliches Sammelsurium von extremem Wetter aufgetischt,” erklärte US Klimaforscherin Jennifer Francies. Ihre Ansicht wird von anderen geteilt, die auch das Wetter studieren, einschließlich dem BBC Wissenschaftskorrespondenten Pallab Ghosh, der im Februar auf der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften berichtete, dass „wir uns an Winter gewöhnen müssen, in denen Wetterperioden für Wochen oder Monate anhalten.”

Der Grund, Francies nach zu urteilen, der durch das komplexe Zusammenspiel von Land, Eis und Meer verursacht wird, ist ziemlich einfach. Für die meiste Zeit in diesem Winter saß der Jetstream, ein dahinwindendes Luftband, dass Stürme über den Globus fegt, fest. Die Folgen waren besonders im kleinen Land Österreich beeindruckend, wo dramatische Hochs und Tiefs aufgetreten sind.

Jetstreams entstehen an der Grenze wo kalte, trockene arktische Luft nach Süden eindringt und warme, feuchte subtropische Luft nach Norden drängt. Entlang dieser Grenze bilden sich schmale Bänder, wie Flüsse, starke Winde von 200-300 km/h in 10km (30.000 Fuß) Höhe und steuern Stürme über der Nordhalbkugel von West nach Ost.

Vorherrschende Windverhältnisse in der oberen Atmosphäre im späten Januar und frühen Februar 2014.

Vorherrschende Windverhältnisse in der oberen Atmosphäre im späten Januar und frühen Februar 2014.

Satellitenbild von West Europa von EUMETSAT (European Organization for the Exploitation of Meteorological Satellites) aufgenommen am 8. Februar 2014. Ein starkes, kommaförmiges Tiefdrucksystem, dass vom Jetstream gesteuert wird, befindet sich über Großbritannien. Ein zweites, schwächeres, aber sehr nasses Tiefdrucksystem ist über dem westlichen Mittelmeer.

Satellitenbild von West Europa von EUMETSAT (European Organization for the Exploitation of Meteorological Satellites) aufgenommen am 8. Februar 2014. Ein starkes, kommaförmiges Tiefdrucksystem, dass vom Jetstream gesteuert wird, befindet sich über Großbritannien. Ein zweites, schwächeres, aber sehr nasses Tiefdrucksystem ist über dem westlichen Mittelmeer.

Ende Januar waren die Behinderungen so stark, dass einige Stürme sich ihren Weg ins Mittelmeer erzwungen hatten, wo sie nicht weiter kamen. Die Stürme waren vom Jetstream abgeschnitten und befanden sich in einer oberen Ebene des Tiefdrucksystems, das große Mengen von Feuchtigkeit nach Mitteleuropa gepumpt hat. Die Schweiz, Österreich, Italien, Slowenien, Bulgarien und Kroatien erlebten ihren schwersten Schneefall seit Jahrzehnten, aber nur auf der südlichen Seite der Berge. Die Nordseite blieb trocken und für ein Land, so groß wie Österreich, nur 300 km von Norden nach Süden, waren die Unterschiede krass.

Niederschlag Winter 2013/14 im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt (1981 bis 2010). Quelle ZAMG.

Niederschlag Winter 2013/14 im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt (1981 bis 2010). Quelle ZAMG.

Die Alpen verlaufen von Ost nach West und sind perfekt positioniert, um die feuchte Luft des Mittelmeeres auf der windwärts (Süd) zugewandten Seite der Berge auszuwringen. Der Regenfall wird in den Tälern in Zentimetern und der Schneefall in den Bergen in Metern gemessen. Kitzbühel, an der Nordseite der Gebirgskette hatte so gut wie gar keinen Schnee, während nur 100 km (60 Meilen) südlich die Dolomiten von tiefem Schnee bedeckt waren. Östlich in Slowenien erreichte der Schnee Tiefen, die seit 50 Jahren nicht mehr gesehen wurden. Die Wettermessungsgeräte in der Zelenica Hütte waren in mehr als einem Meter Schnee begraben.

Minimaler Schneefall in Kitzbühel, Österreich am 7. Februar 2014. Foto mit freundlicher Genehmigung: Lawinenwarndienst Tirol. Tirol.

Minimaler Schneefall in Kitzbühel, Österreich am 7. Februar 2014.
Foto mit freundlicher Genehmigung: Lawinenwarndienst Tirol.

Grube im Schnee am 7. Februar 2014 in der Dolomiten-Hütte, Österreich. Foto mit freundlicher Genehmigung: Lawinenwarndienst Tirol.

Grube im Schnee am 7. Februar 2014 in der Dolomiten-Hütte, Österreich.
Foto mit freundlicher Genehmigung: Lawinenwarndienst Tirol.

  Arabba, Veneto, Italien. Foto mit freundlicher Genehmigung: Renato Zasso, ARPAV - CENTRO VALANGHE di ARABBA.


Arabba, Veneto, Italien. Foto mit freundlicher Genehmigung: Renato Zasso, ARPAV – CENTRO VALANGHE di ARABBA.

Ortler Gruppe, Südtirol, Italien. Foto mit freundlicher Genehmigung: Stefan Bjorklund.

Ortler Gruppe, Südtirol, Italien.
Foto mit freundlicher Genehmigung: Stefan Bjorklund.

Aussicht aus der Haustür, Costa Piana, Comune di Valle di Cadore, Veneto, Italien. Foto mit freundlicher Genehmigung: RECCO Ausbilder, Sergio Albanello

Aussicht aus der Haustür, Costa Piana, Comune di Valle di Cadore, Veneto, Italien.
Foto mit freundlicher Genehmigung: RECCO Ausbilder, Sergio Albanello

Historisch gesehen verändert der Jetstream seine Position alle paar Tage, aber durch den Klimawandel, scheint es laut Francies einen Grund zu geben, warum er wochenlang ununterbrochen festsitzt. Die Wetterbedingungen, die sich über Wochen oder Monate erstrecken, wie von Ghosh erwähnt, bedeuten, dass einige traditionelle schneereiche Gebiete Schnee und Winterwetter bekommen werden, andere dagegen nicht. Diese Gebiete hängen von der Position des Jetstreams ab, der nur akkurat Tage oder höchstens bis zu zwei Wochen im Voraus vorhergesagt werden kann. Diese unglückliche Mehrdeutigkeit bedeutet, dass die Bedingungen im nächsten Winter höchstwahrscheinlich anders sein werden.

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